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REVOLUTION-Rede auf der Anti-"Akademikerball"-Kundgebung

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Diese Rede wurde von unserem Genossen Mo auf der Blockadekundgebung Herrengasse bei den Protesten gegen den rechtsradikalen "Akademikerball" 2015 gehalten.

Wir stehen heute alle hier, also alle bis auf die Herrschaften in Blau die uns so misstrauisch beäugen, wir stehen alle hier, weil wir uns nicht mit dem „Akademikerball“ abfinden wollen. Weil wir nicht akzeptieren wollen, dass Rechtsradikale, Rassistinnen und Rassisten, Faschistinnen und Faschisten ungestört ihr Treffen abhalten können. Ein Treffen dass sie zur Vernetzung, zur Verherrlichung menschenverachtender Ideologie und zur Rekrutierung brauchen.

Viele von Euch stehen nicht das erste Jahr hier, und viele von euch kenne ich auch schon. Mich kennen vermutlich nicht so viele, also der Form halber: Ich bin Mo von der antikapitalistischen Jugendorganisation REVOLUTION.

Es ist richtig und wichtig dass wir heute hier stehen und alles tun, um den Burschenschaftern und ihrem Umfeld den Abend zu vermiesen. Nicht nur, weil es grauslich ist, wer da heute antanzen und abtanzen wird. Nicht nur, weil es eine Schande ist dass die Hofburg, immerhin das repräsentativste Gebäude dieser Republik, heute von der Hofburg zur Hochburg der Rechten wird. Es ist vor allem wichtig, weil heute und hier die Politik geplant wird, die uns das Leben schwer macht. Heute diskutieren in der Hofburg Faschist_innen mit FPÖ-Nationalräten und Nationalrätinnen, welche rassistischen Gesetze sie umgesetzt haben wollen. Heute fragen Rechtsradikale ihre Lieblingburschenschafter, ob sie nicht mal auf deren Bude eine Veranstaltung machen können. Heute sprechen die Schmissfressen ihre Ballgäste an, ob sie nicht Lust hätten auch ein bisschen mitzumachen beim Kampf für deutsches Blut und deutschen Boden. Heute organisieren die Rechten ihre Offensive gegen uns, gegen Linke, gegen Migrantinnen und Migranten, gegen Menschen die nicht in ihr starres Bild von der blonden, blauäugigen Kleinfamilie passen.

Gerade weil wir nicht zum ersten Mal hier stehen wissen wir aber auch, dass es nicht ausreicht einmal am Jahr Flagge zu zeigen. Es reicht nicht einmal aus, wenn wir einmal im Jahr erfolgreich diesen Ball verhindern würden. Weil der Grund dafür, dass die Rechten ihre Politik erfolgreich umsetzen, der sitzt heute nicht in der Hofburg.

Die Ausgrenzung, die Überausbeutung und die Unterdrückung die jede rechte Ideologie in sich trägt haben ihre Wurzeln nicht – oder nicht nur – in der individuellen Schlechtigkeit der einzelnen Akteurinnen und Akteure. Die rechte Ideologie, gerade das Ewiggestrige und Fortschrittsfeindliche, der Hass auf Gleichberechtigung und Offenheit, ist nicht nur persönliche Dummheit oder Wahnsinn. Es geht ihnen darum, das Bestehende zu bewahren – und das bestehende, das heißt nun mal Kapitalismus. Das bedeutet ein System der Herrschaft der Wenigen zu schützen. Ein System der Ausbeutung, der Niedriglöhne, der Arbeitslosigkeit und der Unterdrückung. Ein System der Spaltung, der Ausgrenzung und der brutalen Verteidigung des Status Quo.

Deshalb wissen wir, dass wir nicht vom Antifaschismus reden dürfen, wenn wir vom Antikapitalismus schweigen wollen. Wenn wir den Rechten das Wasser abgraben wollen und ihre Politik unschädlich machen wollen, dann reicht es nicht aus Zehntausend linke Aktivist_innen auf die Straße zu bringen. Wir müssen Hunderttausende und Millionen überzeugen, dass die rechte Ideologie ihnen alles nehmen will, was sie sich erkämpft haben und alle ihre Probleme noch verstärken will.

Es sind in Zeiten der Krise und in Zeiten des Aufschwungs vor allem Jugendliche, die im Kapitalismus die Arschkarte gezogen haben. Es sind vor allem Jugendliche, die heute hier gegen den FPÖ-Ball demonstrieren, aber es sind auch vor allem Jugendliche die sich in einer Situation ohne Perspektive wieder finden. Es ist die Jugendarbeitslosigkeit, die in den letzten Jahren hochgegangen ist, es war die Abschaffung der sozialen Unterstützung für Jugendliche unter 18 Jahren und diejenigen, die noch nie gearbeitet haben, die die österreichische Regierung 2010 umgesetzt hat. Es sind Jugendliche, die unter lächerlich niedrigen Lehrlingsentschädigungen, unbezahlten Praktika und prekären Beschäftigungsverhältnissen leiden.

Wir müssen also anerkennen, dass der Kapitalismus und seine Masseverwalter und Masseverwalterinnen sich gegen die Mehrheit der Bevölkerung richtet. Und dass die Rechten diesen Kapitalismus bis zum Letzten Verteidigen werden ist auch klar. Diese Verteidigung, dieses System, diese Unterdrückung die sich gegen uns richtet, die müssen wir offensichtlich machen. Um ein Programm dagegen, ein Programm der Vollbeschäftigung, der würdigen Mindestlöhne und des harten Kündigungsschutz, um ein Programm der Aufteilung der Arbeit auf alle Hände und der Organisierung der Arbeiterinnen, Arbeiter und Jugendlichen müssen wir uns organisieren. Dann können wir den Rechtsradikalen den Stimmenpool der Verzweifelten und Perspektivlosen genauso abgraben wie wir ihnen ihren Wunschtraum der Elitendiktatur verderben.

Das mag etwas anspruchsvoller sein, als einmal im Jahr die Innenstadt durchzudemonstrieren – aber wir haben nichts zu verlieren. Und eine Welt zu gewinnen!



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