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Start Archiv Geschichte und Theorie Oktoberrevolution: Was war los 1917?

Oktoberrevolution: Was war los 1917?

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Wir leben im Jahr 2017. Als Jugend der Krise, stellt uns die Gegenwart vor enorm unsicher scheinende Zeiten. Unsere Lebensgrundlage wird kaputt gespart, die Zukunft die wir sehen ist unsicher, Kriege und Konflikte werden nehmen zu, rassistische und rechte Kräfte gewinnen immer mehr Macht und Zulauf und versuchen uns voneinander zu trennen um unsere gemeinsame Perspektive für eine bessere Zukunft zu schwächen. Gleichzeitig wird uns gesagt wir haben glücklich zu sein und sind angeblich selbst verantwortlich für unser Glück in dieser Welt. Wieso sollten wir uns im Zeitalter von iPhones, Facebook, Internet und anderen Technologien noch mit etwas beschäftigen was schon 100 Jahre her ist und überhaupt mit so etwas wie der Oktoberrevolution. Ein Teil der Geschichte den wir in der Schule sowieso kaum lernen, also nicht wichtig sein kann für unsere Zukunft der Lohnsklaverei?

Die Oktoberrevolution 1917 war einer der wichtigsten Momente der Geschichtsschreibung und Menschheit, nicht nur weil im Zuge der Oktoberrevolution das unterdrückerische kapitalistische Ausbeutungssystem gestürzt wurde und es die ganze weitere Aufteilung der Welt bis heute beeinflusst hat. Sondern auch weil es zeigt,  dass die normalen Leute, die arbeitenden Menschen der Welt, die einem Staat, einem Zaren, einem Militär gegenüberstehen diese auch besiegen können. Es zeigt, dass es nicht, wie wir im Geschichtsunterricht meist lernen, Könige und Königinnen, die Herrschenden, die Präsidentinnen und Präsidenten sind die Geschichte schreiben sondern wir. Auch damals haben sicher Leute gesagt „Die Monarchie ist nicht das beste System, aber das einzige das funktioniert. Was können wir schon tun?“, auch damals erschien die Ordnung als etwas was für weitere Jahrhunderte festgeschrieben stand. Trotzdem hat der Willensdrang der arbeitenden Menschen und ihr Hass auf ein Leben voller Ausbeutung, Armut und Krieg sie dazu gedrängt nicht mehr einfach nur zu schlucken und zu akzeptieren sondern ihr Glück und Leben in die eigene Hand zu nehmen und dem System der Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende zu setzen. Sich nicht mehr als Kanonenfutter gegen andere Ausgebeutete und Unterdrückte für die Interessen reicher Menschen in den Tod schicken zu lassen.

Im Schulunterricht oder den Medien gibt es meist zwei Herangehensweisen: entweder man lernt dazu nichts, oder die Geschichte wird verfälscht. Aber warum? Klassischer Geschichtsunterricht bringt uns Geschichte als etwas abstraktes bei, losgelöst von unserem heutigen Leben. Geschichte wird von Siegern geschrieben, von Monarchen, Herrschern, Generälen und Präsidenten. Uns wird lieber die Geschichte Cäsars, der Monarchenfamilien, der Staatsführer*innen beigebracht als die Lebensrealitäten der Sklav*innen und deren Aufstände, die der Bauern, die unter der Monarchie litten, oder der arbeitenden Bevölkerung und ihrer Kämpfe beigebracht. In der kapitalistischen Geschichtsschreibung sind es eben diese Leute, die angeblich Geschichte machen, und nicht die da unten, nicht wir. Und wenn einmal das Aufbegehren, der heldenhafte Widerstand der Unterdrückten durchgenommen wird, dann immer mit dem Verweis dass die Revolutionen gescheitert sind. Die französische Revolution hätte ihre Kinder gefressen, die russische Revolution hat in einer Diktatur geendet. All das um ja nicht den Anschein zu erwecken, dass die arbeitenden Menschen, die normalen Leute, Jugendichen und Unterdrückten jemals etwas zum besseren ändern könnten. Weil wer jungen Menschen beibringt sie könnten etwas an den Umständen in ihrem Leben ändern läuft zwangsläufig Gefahr, dass sie dies auch versuchen. Und klarerweise wollen das die Menschen nicht, die von diesem System, das auf der Ausbeutung der arbeitenden Menschen, auf Krieg und Unterdrückung aufbaut profitieren.

Denn auch wenn uns die Welt als etwas Unveränderliches dargestellt wird, auch wenn uns gesagt wird: wir sind klein und können eben nichts ändern, wir haben keine Macht etwas zu bewirken, zittern die Kapitalist_innen am meisten davor, dass wir uns unserer eigenen Stärke und Macht bewusst werden. Denn wer arbeitet in den Unternehmen und Fabriken? Wer bearbeitet das Land und schafft Nahrung? Wer schafft die Profite für das Kapital? Wer blutet in den Kriegen für Macht und Wirtschaftsinteressen? Wer muss diese Länder verlassen? Wen treffen die Bomben? Wer leidet unter dem jetzigen System? Wir. Die absolute Mehrheit der Weltbevölkerung. Und wenn wir die Einsicht erlangen, dass die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft ohne uns nicht funktionieren kann und wir uns zusammenschließen und organisieren, wer kann dann diesem System ein Ende bereiten? Wir.

Diese Erkenntnis soll bestmöglich unterdrückt werden. Hier kommt die zweite Herangehensweise zu tragen. Wenn nämlich über die Oktoberrevolution geschrieben wird, dann wird versucht sie in der Tradition bürgerlicher Geschichtsschreibung als Putsch darzustellen. Für das Kapital ist es gar unvorstellbar, dass die Menschen selbst auf die Straße gegen den Zaren und gegen den Kapitalismus gegangen sind, sondern es war eine Verschwörung der Bolschewiki die sich über den Frust der Bevölkerung an die Macht gebracht hätten um dort ihr Terrorregime aufzubauen. Und die die sich beteiligten seien einfach verblendet gewesen von diesen linksextremen Schwätzern. Ähnlich wie sie versuchen den Faschismus durch die Redegewandtheit Hitlers zu erklären. Die Masse der arbeitenden Menschen sind dabei immer nur dumme Schafe die nachlaufen keine handelnden Menschen, weil dass ist was überhebliche Kapitalist*innen von uns denken, das ist wie sie uns haben wollen und wie sie uns behandeln, wie eine dumme, willenlose Herde. Mit der Realität hat all das wenig zu tun.

In Wirklichkeit hat sich in der Oktoberrevolution der schlimmste Albtraum der Herrschenden verwirklicht. Die Masse der arbeitenden Menschen hatte genug davon zu Hungern, um eine Adelsfamilie auszuhalten, genug davon für ihre Kriege ermordet zu werden und genug davon ihr Leben lang geknechtet und für Profit ausgebeutet zu werden. Russland war ein vor allem agrarisches Land nicht vergleichbar mit den Wirtschaften Englands oder Deutschlands, daher war auch die Revolution für die Kommunist*innen eine Überraschung. Marx hatte immer eine Revolution in einem industrialisierten Land beschrieben. Doch die Arbeitenden Massen Russlands hatten genug von ihrem Schweineleben und waren mit der Hilfe der Bolschewiki willig nicht für einen Krieg der Reichen Blut zu lassen sondern einen Krieg gegen die Reichen zu führen. Dies taten sie auch und schlugen dem internationalen Kapital, ihren Ausbeutern und dem Zaren mit der geballten Faust des Proletariats mehr als eine blutige Nase. Die Arbeitenden erhoben sich und nahmen in Form von Räten, also von unten nach oben organisierter Demokratie die Macht an sich und bereiteten sich vor diese zu verteidigen. Mit dem Umsturz wurde die Befreiung nicht nur der Klasse sondern auch enorme Rechte für Unterdrückte verwirklicht, das Recht auf Scheidung, wichtige Frauenrechte, die Legalisierung der Homosexualität usw. Russland zog sich aus dem ersten Weltkrieg zurück und appellierte an ihre Brüder und Schwestern in allen Ländern die Waffen nicht gegeneinander zu richten sondern auf ihre Ausbeuter. Die erhoffte Ausbreitung der Revolution blieb leider aus, und ebnete somit der wirtschaftlichen Isolation und politischen Degeneration Russlands den Weg. Die revolutionären Aufstände wie in Ungarn wurden niedergeschlagen, die Deutsche Revolution blieb aus und die Arbeiter*innen anderer Länder wie auch in Österreich wurden mit Zugeständnissen gekauft um nicht gegen ihre Unterdrücker aufzustehen. Die geballte Macht der imperialistischen Ländern griff die höchste Gefahr für sie, die siegreiche Revolution, an und es folgten Jahre des Krieges gegen die geballte Macht des Kapitals. Nun ist mit der Zeit die Revolution degeneriert und die Revolutionäre und Sowjets wurden durch Bürokratie ersetzt. Nichtsdestotrotz ist es eines der wichtigsten historischen Ereignisse der Weltgeschichte denn es zeigt eins: eine Arbeiter*innenklasse die es wagt aufzustehen und zu kämpfen ist mächtiger als jedes kapitalistische Dreckssystem. Die Gesellschaft die uns einredet ohnmächtig zu sein tut das weil sie Angst vor unserer Macht und Stärke hat.

Für uns gilt es uns dieser Stärke bewusst zu werden und gemeinsam gegen die herrschende Ausbeutung, Kriege, Vertreibung und Unterdrückung aufzustehen und noch einmal die Kapitalist*innen aller Länder zittern zu lassen.

Lang lebe die russische Revolution!



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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 25. November 2017 um 15:42 Uhr  

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