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Start Archiv Klassenkampf und Politik Freiräume: Wir sind jung und haben das Geld nicht!

Freiräume: Wir sind jung und haben das Geld nicht!

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Ein Transparent mit der Aufschrift

Dieser Artikel wurde in der REVOLUTION-Zeitung 05/2015 veröffentlicht

In der Gesellschaft, in der wir leben, einer auf Profit und Konkurrenz ausgerichteten, kurzum einer kapitalistischen Gesellschaft, spielen Jugendliche eine besondere Rolle. Als besonders ausgebeutete, meist besonders unsicher und prekär beschäftigte und von allen Seiten besonders bevormundete Gruppe dürfen wir zwar, sollten wir einen Job bekommen, die gleiche Arbeit für meistens weniger Geld verrichten, aber oftmals noch nicht einmal die Illusion von politischer Mitbestimmung genießen. Wenn wir wählen dürfen, fällt es dann umso mehr auf, dass zwar von Banken über diverseste Konzerne und Kapitalist_innengruppen jede Menge Interessen in der Regierung vertreten und durchgesetzt werden, die von Jugendlichen und Arbeiter_innen dafür eher weniger. Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass Kürzungen und Angriffe meistens früh unsere Bildung und die hart erkämpften Rechte junger Arbeiter_innen und Lehrlinge treffen. Als Schüler_innen, Lehrlinge, junge Arbeiter_innen und meistens auch als Student_innen sind wir finanziell und teilweise rechtlich abhängig von Eltern und Aufsichtspersonen und somit eigentlich deren Willkür ausgeliefert was die Möglichkeit betrifft selbstbestimmt zu leben. Schule, Ausbildung und Universität nehmen zwar einen Großteil unserer Zeit und Energie in Anspruch, sind aber in der Regel kaum von uns mitgestaltbar oder gar demokratisch mitbestimmbar.

 

Wollen wir uns mal halbwegs ungestört treffen und dabei nicht gezwungen sein Geld auszugeben bleiben oft nur Parks und öffentliche Plätze als Alternative. Natürlich nur wenn es endlich warm genug ist um sich draußen zu treffen und nicht gerade wieder Cafes und andere Konsum verlangende Einrichtungen sich genau dort ausbreiten, oder sich zumindest gestört fühlen durch „herumlungernde“ Jugendliche. Es gibt kaum Orte an denen wir selbstbestimmt leben oder auch nur Zeit verbringen können, an denen wir eigene Erfahrungen machen können, feiern oder uns treffen können ohne teuer konsumieren zu müssen. Noch weniger gibt es Plätze, Häuser, Räume die wir frei selbst gestalten und verwalten können, die wir zum Diskutieren, uns selbst Organisieren und um unabhängig Politik zu machen nutzen können.

Dabei stehen in jeder Stadt viele Häuser, Wohnungen, Lokale leer – oft über Jahre oder Jahrzehnte werden nutzbare Räume verriegelt und teilweise dem Verfall preisgegeben. Es wird spekuliert mit Wohnungen und Baugrund, während es immer noch Leute gibt die auf der Straße leben müssen, während es kaum Freiräume gibt und die bestehenden immer wieder angegriffen werden. Im Zuge der „Aufwertung“ von Wohngegenden werden langjährige Mieter_innen rausgeekelt und Häuser abgerissen um teure Luxus-Eigentumswohnungen zu bauen, dabei steigen die Mieten immer weiter und werden für Jugendliche und Arbeiter_innen immer unleistbarer. Aus Wohn- und Lebensraum wird Profit geschlagen, auf Gegenwehr wie Besetzungen wird oft mit brutaler Repression reagiert. Schließlich ist es für Immobilienbesitzer_innen logischer und profitabler Häuser leerstehen zu lassen als Leute darin wohnen zu lassen, die die hohen Mieten nicht zahlen könnten.
Gerade für Jugendliche wird es so immer schwerer, sich ein unabhängiges, eigenständiges Leben aufzubauen, genauso wie es erschwert wird sich zu organisieren und sich gemeinsam gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu wehren.

Gerade wir Jugendlichen sind aber auch besonders kämpferisch, besonders unzufrieden mit einem System der Ausbeutung, Unterdrückung und Bevormundung und auch dazu bereit, besonders viel zu riskieren um eine bessere, gerechtere Gesellschaft zu erkämpfen und aufzubauen. Wir sind alles andere als unpolitisch oder politikverdrossen – egal ob Solidaritätsaktionen mit Flüchtlingen, Proteste gegen Kürzungen bei Bildung und Sozialem, Aufstände wie während des arabischen Frühlings oder eben auch Hausbesetzungen, wir sind ganz vorne mit dabei, stehen in der ersten Reihe. Die Freiräume, die wir brauchen, erkämpfen wir uns immer wieder, wobei auch gerade in Wien hart darauf reagiert wird. In jüngerer Zeit besetzte Häuser wie die in der Lindengasse („Epizentrum“), in der Wallrißgasse und in der Mühlfeldgasse („Pizzeria Anarchia“) wurden allesamt von der Polizei geräumt, was nicht nur gezeigt hat, dass uns nichts geschenkt wird, sondern auch dass wir im Moment nicht die Stärke haben, es uns zu holen. Wir können aus diesen Erfahrungen viel lernen – die Fehler, die passiert sind, die Erfolge, die wir hatten und die knallharte Antwort mit Räumpanzer und WEGA-Einsatzkommandos, daran müssen wir uns erinnern, denn am Grundproblem hat sich nichts geändert: Wir sind jung und haben das Geld nicht.

Wir von Revolution fordern:
- Freiräume ohne Konsumzwang, Werbung oder „Aufsichtspersonen“!
- Massiven Ausbau von Jugendzentren, die demokratisch von Kindern und Jugendlichen kontrolliert und verwaltet werden!
- Demokratische Kontrolle der Lokale und Überführung der Räumlichkeiten in gesellschaftliches Eigentum!
- Gleiche Arbeitsrechte und gleichen Lohn für junge Arbeiter_innen und Lehrlinge!
- Wohnraum für alle Jugendlichen, um elterlicher Bevormundung und häuslicher Gewalt entkommen zu können!
- Ein direktes Ausbildungsgeld in der Höhe des Mindestlohnes für alle in Ausbildung befindlichen Jugendlichen!



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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 13. Juni 2015 um 13:28 Uhr  

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