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Start Archiv Krieg/Imperialismus Was ist eigentlich Imperialismus und warum kämpfen wir dagegen?

Was ist eigentlich Imperialismus und warum kämpfen wir dagegen?

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Die Welt in der wir leben ist geprägt von wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen, Machtinteressen und Widersprüchen. Vor allem aber ist sie geprägt von Ausbeutung und Unterdrückung, also der Tatsache dass eine kleine Elite von Kapitalist_innen von den Profiten lebt, die die Arbeit der Mehrheit produzieren. Der Kapitalismus führt aber nicht nur zu immer größere Ungleichheit, zu niedrigen Löhnen und hoher Arbeitslosigkeit. Die direkten Folgen dieses Systems sind auch Kriege und nationale Unterdrückung.

Seit es revolutionäre Organisationen gibt haben sich Aktivist_innen die Frage gestellt, warum einige Staaten andere in Kriegen unterwerfen und ausbeuten, was dahinter steckt. Schon im 19. Jahrhundert beschäftigten sich die Theoretiker Karl Marx und Friedrich Engels mit der nationalen Unterdrückung, zum Beispiel von Irland durch das englische 'Empire'. Später setzten sich die russischen Revolutionär_innen um Lenin, die in einem Vielvölkerstaat lebten der von russischen Übermachtfantasien (oder 'nationalem Chauvinismus') geprägt waren mit der Frage von nationaler Selbstbestimmung auseinander. Der von Stalin ins Exil getriebene Revolutionär Leo Trotzki analysierte dann Mitte des 20. Jahrhunderts kurz vor dem 2. Weltkrieg die sich zuspitzenden Feindschaften zwischen den großen Machtblöcken und die 'Anatomie' des Nationalsozialismus, der Krieg in seinem Programm fest verankert hatte. Und auch heute, 100 Jahre nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieg, müssen sich Menschen die revolutionäre Politik nicht nur in einem Umkreis von 20 Kilometern betreiben wollen mit internationalen Konflikten wie in der Ukraine, Palästina oder in Kurdistan auseinandersetzen.

Der Imperialismus beschreibt nicht nur die Strategie einzelner Staaten, ihre Gebiete oder ihren Einfluss zu erweitern. Der Begriff umfasst auch weit mehr als nur Eroberungskriege und Besatzungen, so wie sie die USA im Irak durchgeführt hat. Imperialismus ist ein besonderes Stadium in der menschlichen Geschichte, eine besondere Form des Kapitalismus. Die Weltordnung, in der wir leben, ist nicht nur davon geprägt dass einige reiche Kapitalist_innen von der Arbeit der Mehrheit der Arbeiter_innen, Kleinbäuerinnen_bauern und Unterdrückten lebt. Sie ist auch geprägt von Staaten und Regierungen, die die wirtschaftlichen Interessen der herrschenden Klasse in politischer Form vertreten.

Imperialismus ist also ein weltweites Phänomen, indem wirtschaftliche Interessen von sehr großen Konzernen nicht nur in ihrem 'Mutterland', sondern auch in anderen Ländern durchgesetzt werden. Das geht nur auf Kosten der dort lebenden Arbeiter_innen, aber auch der dortigen herrschenden Klasse. Das kapitalistische System baut auf einem freien Markt, Konkurrenz zwischen den Kapitalist_innen (um den höchsten Profit) und der Ausbeutung der Arbeiter_innen auf. Die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Firmen bedeutet auch, dass 'stärkere' Firmen weniger starke aufkaufen können, um Kosten zu sparen und ohne Konkurrenz höhere Preise für ihre Produkte zu erzielen. Die notwendigen Geldmittel beschaffen sich diese Firmen von Banken, die wiederum Einfluss auf die Konzerne nehmen können: Der russische Revolutionär Lenin nannte das 'Fusion zwischen Banken- und Monopolkapital'.

Diese Konzerne, sind weit größer und können wegen ihrer 'Marktmacht' das wirtschaftliche Geschehen weit mehr beeinflussen als kleinere Firmen. Sie haben daher über Lobbying, Parteienfinanzierung und direkte Sitze im Nationalrat auch einen großen Einfluss auf die Politik und die Regierung. Diese Konzentration von wirtschaftlicher und indirekt politischer Macht bedeutet, dass sie besonders viel Profit machen können – und daher nicht nur in einer Stadt oder in einem Land, sondern tatsächlich in großen Teilen der ganzen Welt produzieren könnten. Diese wirtschaftliche Macht ist in einigen besonders reichen Ländern konzentriert, den imperialistischen Zentren, zum Beispiel in den USA, England, Russland, China, Deutschland, aber auch Österreich ist ein solches imperialistisches Zentrum.

Es sind aber im Kapitalismus immer noch verschiedene große 'Kapitale' oder auch kleinere Firmen, die ein gemeinsames Interesse an der Ausbeutung von Arbeiter_innen in vielen Ländern haben. Sie machen sich zum Beispiel niedrige Löhne, Rohstoffpreise oder eine politische Situation zunutze, in der sie Druck ausüben können.

Wenn diese gegensätzlichen Interessen aneinandergeraten kommt es zu diplomatischen Auseinandersetzungen, wirtschaftlichen 'Handelskriegen' oder militärischen Konflikten. Zum Beispiel führten die USA ab 2003 im Irak Krieg, wo nach dem (vorübergehenden) Sieg amerikanische und chinesische Unternehmen die Ölquellen ausbeuten konnten. In Israel unterdrückt die Regierung die palästinensische Bevölkerung und erhält gleichzeitig Milliarden Dollar an militärischer 'Entwicklungshilfe', unter Anderem weil der Staat eine Machtbasis der westlichen Imperialist_innen im Nahen Osten darstellt. Und in der Ukraine unterstützte die EU eine Regierung aus Faschist_innen und Neoliberalen um den Einfluss des russischen Imperialismus zu unterminieren – und die eigenen wirtschaftlichen Interessen in Osteuropa durchzusetzen. Direkte Auseinandersetzungen zwischen imperialistischen Mächten passieren eher selten, aber oftmals wird eine oder sogar beide Seiten von einer Großmacht in einem 'Stellvertreter_innenkrieg unterstütz. Krieg ist hier nur eine Fortführung der Politik mit anderen Mitteln.

Die Auswirkungen des Imperialismus zeigen sich auch oft in nationaler Unterdrückung – wenn die nationalen Eigenheiten wie Sprache, Kultur und Gesetze einer beherrschten Nation durch die der stärkeren Nation ersetzt werden. In der Ukraine versuchte die Regierung zum Beispiel, die russische Sprache als Amtssprache abzuschaffen. Gegen diese nationale Unterdrückung gibt es gerechtfertigten Widerstand, der aber oft von nicht-revolutionären Kräften angeführt wird, die in anderen Fragen gegen die Interessen der Arbeiter_innen eintreten. Hier ist es für Revolutionär_innen wichtig, gegen die nationale Unterdrückung konsequent zu kämpfen ohne in politischen Fragen Zugeständnisse an bürgerliche, kleinbürgerliche oder nationalistische Positionen zu machen.

Der Imperialismus ist nicht nur das neueste Stadium des Kapitalismus sondern auch das, in dem die Widersprüche zwischen den Herrschenden am deutlichsten zu Tage treten. Unter den Folgen – Krieg, Überausbeutung und nationale Unterdrückung – müssen aber die Arbeiter_innen, Jugendlichen und Unterdrückten am Meisten leiden. Es ist daher die Aufgabe von Antikapitalist_innen gegen jeden Ausdruck des Imperialismus zu kämpfen. Wer eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung erreichen will, darf auch keine Zugeständnisse an die Kriege und den Patriotismus der Herrschenden machen.



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