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Start Archiv Krieg/Imperialismus Kobane: Wer kann Kurdistan verteidigen?

Kobane: Wer kann Kurdistan verteidigen?

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Spendet für die YPG/YPJ - http://tinyurl.com/lpy9y8pDie Truppen des faschistischen IS („Islamischer Staat“) greifen seit Tagen die kurdische Stadt Kobanê an, die von den Selbstverteidigungseinheiten der YPG verteidigt wird. Wie schon bei den Angriffen auf den irakischen Teil Kurdistans, bei dem der IS 50 000 Jesid_innen mit dem Völkermord bedrohte, kämpfen die Soldat_innen Kobanês um ihr nacktes Überleben. Gleichzeitig bombardieren die USA und ihre Verbündeten den IS im Irak und in Syrien, die türkische Armee steht am Grenzübergang zu Rojava, dem syrischen Teil Kurdistans (Westkurdistan) – und sie tun nichts, um den Kampf der Kurd_innen zu unterstützen. Auch die Waffenlieferungen, die USA, Deutschland und Frankreich den Kurd_innen versprochen haben, kommen nicht bei der YPG/YPJ oder der PKK an, die an vorderster Front kämpfen. Können imperialistische Angriffe ein freies Kurdistan erkämpfen?

Die Kurd_innen sind mit 25-30 Millionen Angehörigen die größte Nation auf der Welt, die keinen eigenen Staat hat. Stattdessen sind kurdische Gebiete auf den Irak, Syrien, Türkei und Iran verteilt, wo sie teilweise heftiger nationaler Unterdrückung ausgesetzt sind. Während des syrischen Bürger_innenkrieges gegen die Truppen des Diktators Bashar Al-Assad hatten kurdische Selbstverteidigungseinheiten der YPG/YPJ Rojava befreit und damit einen ersten Schritt zu einem befreiten Kurdistan gesetzt (YPJ heißen die Frauenbataillone der YPG). Sie kämpften sowohl gegen besonders rückschrittliche Teile der Freien Syrischen Armee (wie die Al-Nusra-Front) als auch gegen die syrischen Truppen. Die YPG ist eine Schwesternorganisation der „Arbeiter_innenpartei Kurdistans“ (PKK), die für ein freiesKurdistan kämpft.

Auch der IS ist in seiner jetzigen Stärke aus den Kämpfen gegen Assad hervorgegangen – die Truppe unter dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi kommt aus dem irakischen Widerstand gegen die amerikanische Besatzung, griff dann aber in den syrischen Bürger_innenkrieg ein und arbeitete dort eng mit Al-Quaida zusammen – bis das Bündnis zerbrach weil Al-Quaida fand, dass IS zu brutal sei. Militärisch und finanziell ist ISdie stärkste dschihadistische Organisation, weil bei ihrer Eroberung des südlichen Irak im Sommer 2014 große Mengen US-Amerikanischer Waffensysteme von der irakischen Armee zurückgelassen wurden und sie gleichzeitig in der Lage waren, lokale Banken zu plündern. Schon vor dieser Sommeroffensive verfügte IS angeblich über 2 Milliarden Dollar an Vermögen, wobei es auch einige Staaten gibt, die den IS mit Waffen und Geld unterstützen. Unterstützung von der Zivilbevölkerung bekommt der IS vor allem aus den sunnitischen Teilen des Iraks, wo die von den USA eingesetzte Marionettenregierung Al-Maliki die sunnitische Bevölkerung systematisch benachteiligt. Die Stärke des IS ist also ein direktes Produkt des letzten Angriffs der USA und ihrer Verbündeten in der Region!

Der IS ist aber nicht nur eine kleinbürgerlich-religiöse oder islamistische Miliz sondern tatsächlich eine faschistische Bewegung. Es sind die alten Eliten des Hussein-regierten Iraks, Stammesführer_innen und Warlords, die wieder an die Futtertöpfe der Reaktion im Irak wollen. Die Regierung al-Maliki hat die Korruption in der Region ja nur umgedreht, indem sie ihre (vor allem schiitischen) Verbündeten mit Geld und Posten versorgt hat. Um die Herrschaft, inklusive der Vorteile für die „eigenen“ Kapitalist_innen zu erobern stützt sich der IS auf eine Basis von Kleinbürger_innen und besonders deklassierte Teile der Arbeiter_innen und Bauern, die keine andere Überlebenschance sehen. Ihre Hauptstoßrichtung ist aber nicht nur gegen die kapitalistische Konkurrenz an der Macht – im Irak die US-gestützte Regierung, in Syrien die Assad-Diktatur – sondern vor allem fortschrittliche (oder zumindest weniger rückschrittliche als sie selber) Kräfte im Widerstand. Deshalb richten sich die Angriffe der IS weniger gegen die syrischen Regierungstruppen als gegen andere Kräfte im Widerstand und vor allem gegen die kurdische YPG/YPJ. Die gesellschaftliche Aufgabe bzw. das Ziel der IS ist also, einen fortschrittlichen Ausgang des Bürger_innenkrieges und des Widerstandes im Irak zu verhindern und durch eine andere Diktatur zu ersetzen, wobei er auch in anderen Merkmalen einer faschistischen Bewegung entspricht.

Nachdem der IS den kurdischen Jesid_innen in Südkurdistan (Nordirak) den Völkermord androhten mobilisierten die USA ein Militärbündnis, das erneut in den Irak einmarschieren soll. Dieser imperialistische Einmarsch, der die Region wieder unter Kontrolle bringen soll, wird durch massive Luftschläge vorbereitet, die sich gegen den IS aber auch gegen andere Kräfte des syrischen Widerstandes richten. Die US-Regierung behauptet, sie kämpft gegen IS um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Tatsache ist aber, dass der IS das Produkt der letzten amerikanisch geführten „Intervention“ in der Region war – die im übrigen von massiven Menschenrechtsverletzungen (Foltergefängnis in Abu Ghraib, Massenmorden an Zivilist_innen, illegalen Verschleppungen nach Guantanamo, etc) war.

Die USA haben kein Interesse eine „stabile Demokratie“ in der Region zu errichten, Diktator_innen zu Fall zu bringen oder für Frieden zu sorgen. Sie wollen Regierungen installieren, die ihre geostrategischen Interessen bedienen, also militärisch mit dem imperialistischen Westen zusammenarbeiten, und Investitionsbedingungen für amerikanische Firmen garantieren. Es geht darum, diese Staaten unter die imperialistische Kontrolle von USA, England und Co zu bringen. Dass ist auch der Grund, warum Panzer des NATO-Staates Türkei an der Grenze zu Kobanê untätig zusehen, wie der IS kurdische Aktivist_innen schlachtet, der Grund warum die US-Luftschläge erst spät den IS in kurdischen Gebieten trafen. Deshalb werden Waffen an konservative kurdische Parteien geliefert, die ihre Gebiete absichern, aber die PKK und YPG/YPJ muss mit Dynamit auf Panzer werfen, obwohl sie an vorderster Front stehen. Die Imperialist_innen haben kein Interesse daran, ein freies Kurdistan zu ermöglichen – stattdessen wollen sie eine Region in Abhängigkeit und Unterdrückung.

Deshalb dürfen sich fortschrittliche Aktivist_innen heute keine Illusionen in imperialistische Hilfe und Unterstützung machen. Tatsache ist, jede Intervention aus dem Westen hat die Situation für die Bewohner_innen noch verschlimmert, ob es um den Irakkrieg, die Eroberung Afghanistans, die stillschweigende Unterstützung Assads oder das militärische Hochrüsten Israels war. Tatsächlich müssen wir gegen eine Intervention der USA und ihrer Verbündeten kämpfen, einen dritten Golfkrieg verhindern!

  • Die kurdischen Kräfte in Kobanê (und überall sonst) müssen siegen – praktische Solidarität ist gefragt! Während in Deutschland und Österreich Genoss_innen von REVOLUTION Geld sammeln ("Waffen für YPG/YPJ"), sammeln in Österreich außerdem kurdische Organisationen Sachspenden für Flüchtlinge. Am Freitag, 10.10.2014 um 17:00, findet außerdem eine Großdemonstration in Solidarität mit Rojava statt. Zeigt eure Solidarität in Taten (auf der Demonstration) und in Spenden!

  • Dass die PKK immer noch auf der europäischen Terrorliste steht, obwohl sie mehr gegen die IS-Terrorist_innen macht als alle EU-Staaten zusammen, zeigt auf welcher Seite die imperialistischen Regierungen Europas stehen! Weg mit dem PKK-Verbot! Waffen für PKK und YPG/YPJ sofort! Für Freiheit und Sozialismus in Kurdistan!

  • Kein neuer imperialistischer Krieg in Irak und Syrien! Verhindern wir, dass die Region ein weiteres mal von USA, EU und Verbündeten ins Desaster und totale Abhängigkeit manövriert wird!

  • Kampf und Revolution gegen den faschistischen IS! Unterstützt den Widerstand der Arbeiter_innen, Jugendlichen und Unterdrückten gegen den IS!



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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 10. Oktober 2014 um 06:31 Uhr  

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