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Incel: Frauenverachtende Bewegungen bekämpfen

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„Die Incel-Rebellion hat bereits begonnen! Wir werden alle Chads und Stacys stürzen! Hoch lebe der oberste Gentleman, Elliot Rodger!“ postete Alek Minassian auf Facebook, bevor er am 25. April in Toronto mit einem Van in eine Gruppe von Passant*innen (hauptsächlich Frauen) fuhr, 10 davon tötete und 14 andere schwer verletzte. Er verwies auf Elliot Rodger, der 2014 aus gleicher Motivation heraus 6 Menschen tötete und 13 andere verletzte. Die Motivation war dabei mehr als offensichtlich: Frauenhass.
Was beide genannten Fälle gemeinsam haben (sowohl Rogers als auch Minassians) ist, dass sie von der Öffentlichkeit heruntergespielt wurden. Nicht nur, dass sie kaum als terroristische Verbrechen gesehen wurden, erfuhren die Täter eine Verharmlosung als „Loser“ und „bemitleidenswert“. Dass es hier aber um Menschen-, speziell Frauenleben geht wird kaum bis wenig diskutiert und ist auch vermutlich der Grund warum die Ernsthaftigkeit der Fälle außen vor gelassen wird.

Die Gruppe, zu der beide Attentäter gehören, bezeichnet sich selbst als Incel, also involuntary celebate – unfreiwillig Enthaltsamer – und schreibt schon seit mehreren Jahren tödliche Schlagzeilen. Ursprünglich ein aufs Internet beschränktes Phänomen primär für weiße, heterosexuelle Männer, die ihre nicht existenten Sexualkontakte einer systematischen Unterdrückung (aufgrund von z.B. schlechtem Aussehen) zuschreiben, lassen sich Incels bereits in eine große Anzahl von vermeintlich „unterdrückten“ Männern einreihen. Männer, die erkannt haben, dass der Feminismus in Wirklichkeit bereits die Frauen an die Spitze gebracht und die Machtverhältnisse umgedreht hat.

Die sogenannten „Men´s Rights Activists“ (ein Sammelbegriff für diverse Männerrechtsgruppen) kämpfen für alte Familienideale, „Frauen die ihren Platz in der Gesellschaft kennen“, de facto also für ein Frauenbild von vor 200 Jahren. Sie versuchen ihre Ziele mit Fakten und Daten zu beweisen, die allerdings wenig wissenschaftliche Basis haben. So ist laut ihnen der „Gender-Pay-Gap“ feministische Propaganda (aber darüber hinaus ist es natürlich auch gerechtfertigt, dass Männer mehr verdienen – sie sind ja auch besser!). Selten verwenden sie auch tatsächlich fundierte Studien, sondern berufen sich auf Einzelfälle und persönliche Erlebnisse. Die Gruppe nimmt reale gesellschaftliche Systematiken interpretiert sie aber um, damit sie ihren eigenen Zielen zugutekommen. So ist z.B. die klischeehafte Vorstellung, dass Männer beim Essen gehen zahlen müssen, laut ihnen, ein Beweis für die Unterdrückung des Mannes.

Die ideologische Grundlage bietet die „Red-Pill“ Philosophie, auf die sich auch die Incel-Bewegung stark bezieht. Gemeint ist damit, wie beim Film „Matrix“, die rote Pille zu schlucken, die einen die Wahrheit erkennen lässt. Hier kommt die Incel-Bewegung ins Spiel, die diese Idee weiterführt indem sie den „Wahrheit-erkennen“ Part weglässt und direkt dazu über geht Aggression, Gewalt und Hass zu verbreiten, also die „Black-Pill“ zu schlucken. Männern Sex zu verweigern ist falsch und sollte bestraft werden. Vergewaltigungen gibt es nicht, „Frauen mögen es eh“ und wenn nicht, haben sie es sicherlich verdient.

In ihrer Welt existieren „Chads“, „Staceys“, – gutaussehende Menschen – „Normies“ und zum Schluss sie selbst die Incels. Im Gegensatz zum Rest der Männerrechtler sehen sie sich nicht als „Alpha Males“ und Retter der Gesellschaft, sondern als logische Opfer eines Systems das gutaussehende bzw. normal aussehende Leute bevorzugt. Aber die logische Schlussfolgerung ist nicht sich selbst zu ändern (bei einem unfairen Spiel würde das ja auch nichts bringen), sondern die Wurzel des Problems anzugreifen: Die Frauen. Ähnlich wie andere Vertreter der Red-Pill Philosophie, die Frauen bezüglich ihrer eigenen Moralvorstellungen verändern wollen, sehen auch Incels Frauen mehr als Objekt auf, dass sie all ihre Aggression projizieren können. Sie führen also logisch nur das weiter was die ursprüngliche Bewegung angefangen hat, diesmal aber mit real tödlichen Konsequenzen.

Das heißt aber nicht, dass die anderen „Untergruppen“ weniger gefährlich sind. Wir müssen sie in einen Kontext des internationalen Rechtsrucks setzen, der solche Meinungen salonfähig macht. Der Kampf gegen den Feminismus war vor einigen Jahren eher etwas was man nach vier Bier geplant hat, heutzutage hört man regelmäßig Dinge wie: „Man kann es ja auch übertreiben mit der Gleichberechtigung“. Die Gruppen haben oft Verbindungen zur Neuen Rechten, also auch zu rassistischen, homophoben und teils neonazistischen Kreisen. Die „white supremacists“ sind in den USA zumindest, mit Überschneidungen bzw. stehen im engen Verhältnis zu den MRA.
Was für den Umgang mit solchen Fällen zentral ist, sie als das zu benennen was sie sind: Terroristische „Hate-Crimes“ – Verbrechen aufgrund des Geschlechts einer Person. Wir müssen außerdem aufhören weiße Täter zu bemitleiden und nach Ausreden für deren Verhalten zu suchen. Sie stellen eine Gefahr dar, die auch als solche bezeichnet werden muss!

Hier stellt sich die Frage: Wie können wir gegen so eine Gefahr vorgehen? Zuerst müssen wir das Problem benennen, als das was es ist. Es geht nicht nur um „Loser“ die in ihrer Freizeit böse Internet-Kommentare schreiben, sondern um Frauenhasser, die auch bereit sind ihre Keller zu verlassen. Wir müssen das thematisieren und es vor allem nicht verharmlosen – das passiert bei Gewalt an Frauen ohnehin zu häufig. Als reflektierte, antisexistische Menschen müssen wir auch selber Positionen dazu entwickeln und Zusammenhänge erkennen – die Medien machen dies nämlich nicht.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass Ideen dieser Gruppen schon stark ins kollektive Bewusstsein übergegangen sind. Internet-Jargon verbreitet sich schnell. Im Gespräch sollten wir also nicht zu abstrakt werden, sondern konkret aufzeigen warum bestimmte Formulierungen z.B. keine reale Basis haben und nur einem bestimmten Ziel dienen. Oft wissen Menschen auch gar nicht woher manche Ideen ursprünglich kommen. Wenn es nicht bei blöden Sprüchen und herabwürdigender Rhetorik bleibt und ihr Frauenhass in offene Gewalt umschlägt, müssen wir uns selbst organisieren und gegen diese Gewalt verteidigen. Das ist zwar bei terroristischen Akten wie in Toronto nicht einfach, aber wie Beispiele in Indien (Gulabi Gang) zeigen, können sich Frauen durchaus militant gegen Vergewaltigung und sexistische Übergriffe organisieren.

Schlussendlich müssen wir erkennen das Probleme wie Incel und MRA nur Produkte unserer von Sexismus zerfressenen Gesellschaft sind. Der Grund warum viele dieser Menschen die Gesellschaft als ungerecht wahrnehmen ist ganz einfach der, dass sie das auch ist. Aber nicht speziell gegenüber Männern, sondern gegen die meisten Menschen, die nicht zufällig reich geerbt haben. Diese Probleme die dadurch entstehen können im Kapitalismus nicht überwunden werden und es ist einfacher sie auf ein anderes imaginäres weibliches Machtkonstrukt zu schieben. Wichtig ist zu erkennen, dass dieses Machtkonstrukt in der Realität nicht existiert, Kapitalismus hingegen allerdings schon. Wir müssen klar benennen, dass der wahre Feind der Kapitalismus ist und nur mit einer Überwindung von diesem eine tatsächliche Gleichberechtigung erreicht werden kann. Und weil es so wichtig ist noch einmal zum Schluss: FRAUEN SCHULDEN NIEMANDEM SEX!!



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