Was ist Imperialismus?

Wenn sich im kommenden Juli in Hamburg die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) treffen, machen sie dies nicht nur um sich im Finanz- und Wirtschaftsfragen zu beraten, sondern um ihre imperialistische und ausbeuterische Politik im Sinne der mächtigsten internationalen Kapitalfraktionen bestmöglich zu koordinieren und optimieren. Doch inwiefern kann hier von Imperialismus sprechen bzw. viel einfacher gefragt, was ist denn Imperialismus?

Im Kontext der bürgerlichen Bildung wird Imperialismus zumeist mit dem Zeitalter der Kolonialisierung gleichgesetzt. Mächtige Nationen, wie USA, Frankreich, das Vereinigte Königreich, das Deutsche Reich, Italien, Japan etc. kolonialisierten die Länder des globalen Südens (allen voran Afrika) um ihre Macht- und Kapitalinteressen auszuüben. Der Zwang immer mehr Kapital zu akkumulieren, also der Wettkampf um die höchsten Profite um am kapitalistischen Markt bestehen zu können, schuf eine Situation in der die Ausbeutung der nationalen Arbeiter*innenklasse nicht mehr reichte. Die Imperialistischen Mächte verlagerten daher ihre Produktion in die Kolonien, raubten die Länder ihrer Rohstoffe, versklavte und beutete die dort ansässige Bevölkerung brutal aus, um ihr Kapital zu expandieren und noch mehr Reichtum und politische Macht in ihren Händen konzentrieren zu können. Letztlich bereite diese extreme kapitalistische Profitlogik u.a. den Weg vor für die großen imperialistischen Kriege, wie etwa den ersten und zweiten Weltkrieg.

Die bürgerliche Bildung schürt aber mit der Gleichsetzung mit Kolonialismus die Illusion, dass gegenwärtig wo es keine Kolonien mehr gibt, auch das Zeitalter des Imperialismus vorüber sei, und sprechen nun von internationaler Finanz- und Wirtschaftspolitik. Zwar mag es stimmen, dass es formal keine Kolonien mehr gibt, aber die Länder des globalen Südens werden weiterhin ausgebeutet, und stehen in immensen wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen zu den mächtigsten Industrienationen, und damit wiederum in einem quasi-kolonialen Verhältnis. Multinationale Großkonzerne produzieren weiterhin unter unmenschlicher Knochenarbeit und Ausbezahlung von Hungerlöhnen ihre Waren in jenen Gebieten. Berichte von Kinder- und Sklavenarbeit, katastrophaler Sicherheitsvorkehrungen in den Produktionsstätten, unmenschlich langen Arbeitszeiten etc. sind weiterhin allgegenwärtig. Die quasi-kolonialisierten Länder unterstutzen dies noch in dem sie den Konzernen mit steuerlichen und arbeitsrechtlichen Begünstigungen versuchen anzulocken, in der illusionären Hoffnung sie würden davon profitieren. Ferner, schafft dies eine Situationen, wo einerseits jene Länder mit diesen Vergünstigungen untereinander wetteifern müssen, und andererseits Großkonzerne mit Drohungen sie würden ihre Produktion abziehen, die Länder abermals geißeln können – alles natürlich auf Kosten der dort ansässigen Bevölkerung, Arbeiter*innen und Bäuer*innen. Abgesichert wird diese Politik durch das Diktat des Internationalen Währungsfond (IWF), der Weltbank (WB) und der Welthandelsorganisation (WTO), die mit ihren sog. „Strukturanpassungsprogrammen“ die Interessen der imperialistischen Länder und kapitalistischen Länder durchsetzen und zugleich die ökonomische Entwicklung der ärmeren Staaten torpedieren und sie mit Krediten zusätzlich geißeln. Sie gaukeln den Ländern vor, dass dies notwendige Schritte seien, um ökonomisch weiterzuentwickeln und am internationalen Markt bestehen zu können, und lassen dabei komplett außer Acht, dass sie weder den gleichen Zugang zum Markt (Die US- und EU-Märkte blockieren bspw. den freien Zugang afrikanischer Agrarprodukte um ihre heimische Agrarwirtschaft zu schützen), noch die technischen und ökonomischen Ressourcen haben um auch nur die geringste Chance zu haben gegen die Industriemächte und Großkonzerne. Der Imperialismus heute schreckt auch nicht vor Kriegen zurück, wenn man bspw. an den Irak-Krieg denkt, wo es den USA im Wesentlichen nur um die dortigen Erdölressourcen ging.

Die äußere Form hat sich geändert, aber die Grundzüge und Logik der imperialistischen Ausbeutung bestehen weiterhin. Daher ist es notwendig, wie der russische Revolutionär Lenin schon formulierte, Imperialismus als „höchstes Stadium des Kapitalismus“ selbst zu verstehen. Der Kapitalismus als System forciert eine Systemlogik, in der immer mehr Profit geschaffen werden muss um am internationalen Markt zu bestehen, und führt daher notwendigerweise zu einer immensen Konzentration von Kapital in den Händen weniger monopolistischer Kapitalfraktionen, die sich in diesem Konkurrenzkampf durchsetzen und den Weltmarkt unter sich aufteilen. In diesem Sinne kann man nicht nur, sondern muss man von weiterhin von einer imperialistischen Weltordnung sprechen, die es als Revolutionär*in zu bekämpfen gilt.

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