Bericht: Großdemo gegen Rassismus und Polizeigewalt

Am 25. Mai wurde in George Floyd, ein 46-jähriger Schwarzer Mann, in Minneapolis von einem weißen Polizisten ermordet. Mord und Gewalt an Schwarzen durch die Polizei hat, vor allem in den USA, eine Jahrhunderte lange Geschichte und aufgrund der zahlreichen Proteste der letzten Jahre erlangte in den letzten Jahren zwar mehr mediale Aufmerksamkeit, an der Situation hat sich aber freilich wenig geändert. Das Video das den Mord an Floyd zeigt verbreitete sich jedoch rasend schnell im Internet und der darauffolgende öffentliche Aufschrei löste zuerst amerikaweit, bald auch international, Proteste aus, teils mit gewaltsamen Ausschreitungen. Obwohl die Bewegung in Wien noch nicht den kämpferischen und organisierten Charakter wie andernorts erreicht hat versammelten sich doch 50.000 Menschen am Donnerstag Nachmittag auf den Straßen.

Was als Kundgebung mit 3.000 angekündigten Teilnehmern angesetzt war entwickelte sich zu einer der größten Demos der letzten Jahrzehnte. Die Stimmung schien generell eher friedlich bis ausgelassen aber die Teilnahme und Energielevel blieben durchgehend hoch. Es gab kaum Momente in denen die Rufe verstummten und auch nach Ende der Demo blieben große Massen am und um den Karlsplatz versammelt. Entsprechend groß war allerdings auch das Gedränge, was es nicht nur schwierig machte, den Sicherheitsabstand einzuhalten, sondern auch die eigentlichen Beiträge der Kundgebung über die Menschenmenge hinweg zu hören. Angesicht der unerwarteten Masse an Menschen, war es im Vorhinein unmöglich entsprechende Sicherheitsvorkehrungen vorzubereiten. Deswegen die Proteste ihrer Legitimität abzusprechen, oder populistisch nun einzufordern, dass Feste, Konzerte etc. wieder erlaubt werden müssen, ist pure Ignoranz gegenüber der Tragweite von jahrzehntelanger brutaler bis gar tödlicher systematischer Polizeigewalt gegebüber Schwarzen und der Bedeutung und Wichtigkeit der Proteste dagegen.

Verglichen mit anderen Demos und Kundgebungen der letzten Zeit schien außerdem die Polizeipräsenz gering, vor allem weil die Polizei auch mit weitaus weniger Leuten rechnete. Beteiligt an der Demo waren dagegen vor allem junge Menschen. Besonders Teenager zeigen sich politisch engagiert und sensibilisiert, sie haben oft ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass man sich für die Durchsetzung von Gerechtigkeit und Veränderung nicht auf Autoritäten und Regierung verlassen kann, sondern selbst aktiv werden muss. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt ist es essentiell, nicht nachzulassen, sondern solidarisch und laut zu bleiben, Kampfgeist zu zeigen und sich gegen dieses System zu organisieren!  No Justice, No Peace – Fight the Police!