Burschenschaften und der 8.Mai

Nach den großen Protesten gegen den von FPÖ und Burschenschaften veranstalteten Akademikerball, die 8.000 Antifaschist_innen auf die Straße brachten, planen die Burschis auch im Mai wieder Aktionen. In diesem Kontext wollen wir ein bisschen den Charakter von Burschenschaften, sowie ihre Rolle in der Gesellschaft und ihre traditionellen öffentlichen Auftritte erläutern.

Historisch gesehen haben sich Burschenschaften nach der Gründung der Urburschenschaft im Jahr 1815 in verschiedene Richtungen entwickelt. Aber bereits diese beruhte auf Nationalismus – ihre drei grundlegenden Prinzipien waren Ehre, Freiheit, Vaterland. Heute gibt es viele hunderte Burschenschaften, jede hat ihre eigenen Traditionen und Erkennungsmerkmale, es lassen sich jedoch einige gemeinsame Merkmale hervorheben, die einem den Überblick erleichtern. Alle Burschenschaften sind farbtragend, das heißt sie haben 3 Erkennungsfarben an denen sie sich unterscheiden lassen. Eine recht abstruse Tradition dieser Organisationen ist es, sich in formalisierten Duellen gegenseitig mit Degen zu bekämpfen. Die Überreste dieser Kämpfe, Narben auf den Wangen, oder Wangenknochen, werden Schmisse genannt. Diejenigen Verbindungen die dieser Tradition folgen, werden schlagende Burschenschaften genannt.

 


 

Burschenschaften dienen vorrangig der Bildung elitärer Zirkel, es sind Seilschaften, die ihren Mitgliedern durch „Networking“ beziehungsweise Vetternwirtschaft ermöglichen, hohe Posten in allen Bereichen der Gesellschaft einzunehmen, sei es jetzt in der Politik, der Wirtschaft, oder in der Forschung. Allen gemeinsam ist es auch, das sie ein reaktionäres Frauenbild teilen, keine Frau kann Mitglied in einer Burschenschaft werden, das traditionelle bürgerliche Familienbild wird hochgehalten. Es gibt überhaupt eine Menge Kriterien, die man erfüllen muss, um aufgenommen zu werden, man muss weiß, männlich, „deutsch“ sein, damit man eine Chance hat. Alle diese Kriterien geben einem deutliche Hinweise auf die nationalistische und rassistische Gesinnung und das Gedankengut das in diesen Organisationen vorherrscht. Innerhalb dieser Verbindungen herrscht eine strenge Hierarchie, die durch die vielen formalisierten Abläufe gestärkt und erhalten wird. Tritt man in eine Burschenschaft ein, wird man Fuchs, bis man nach bestandener Prüfung, die verschieden aussehen kann, aber meist auch mit der Mensur zusammenhängt, zum Vollmitglied wird. Als Fuchs hat man einen Leibburschen, der sich um einen kümmert, und einen in alle Traditionen einführt Diese Verbindung hat innerhalb der Verbindungen einen besonderen Stellenwert und dient zusätzlich zur Vernetzung der Mitglieder.

Was verbindet nun die Burschenschaften und den 8. Mai? Der 8. Mai 1945 war der Tag der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands. Aus diesem Grund wird im deutschen Sprachraum am 8. Mai der Tag der Befreiung vom Faschismus gefeiert.

Der Wiener Kooperationsring, ein Verband vor allem schlagender, rechtsradikaler Burschenschaften, veranstaltet seit den 1990er Jahren am oder um den 8. Mai unter dem Deckmantel des „Totengedenkens“ einen Aufmarsch. Dort betrauern sie das Ende des 3. Reichs und die Opfer des Krieges auf der Seite der Nazis – ihr Gedenken gilt hier also nur den von ihnen als „Helden“ verstandenen Wehrmachtssoldaten. Mit ihrem rassistischen und nationalistischen Gedankengut stellen Burschenschaften einen Hort der rückschrittlichen, reaktionären zukünftigen Wirtschaftselite dar. Es wundert einen nicht, dass sie für ihre Feier sogar den Wiener Heldenplatz für sich beanspruchen können, besetzen sie doch einflussreiche Posten in Wirtschaft, Staat und Politik und tragen ihr rückschrittliches Gedankengut so immer wieder in die „Mitte der Gesellschaft“. Dieser Aufmarsch ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer des Nationalsozialismus und natürlich aller Antifaschistinnen und Antifaschisten – aber wir lassen uns das nicht bieten! Seit 2000 gehen jedes Jahr antifaschistische Aktivist_innen auf die Straße und letztes Jahr haben wir es auch geschafft dass der Aufmarsch der Burschenschafter nicht stattfinden konnte. Natürlich geht es uns nicht vorrangig darum, den Burschis nur den Spaß zu verderben, was wir wollen ist aufzeigen, dass Faschismus und Geschichtsrevisionismus keinen Platz in unserer Gesellschaft haben! Solange wir noch eine Stimme haben, solange wir noch auf die Straße gehen können und mit allen notwendigen Mitteln Widerstand leisten können gegen Nationalismus, Rassismus, Faschismus werden wir das auch tun – um für eine Gesellschaft zu kämpfen die frei von diesem widerlichen Gedankengut ist! Deshalb heißt es auch dieses Jahr am 8. Mai wieder: ALERTA, ALERTA, ANTIFASCISTA!

 

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