Menschenverachtung mit System: Obdachlosigkeit im Kapitalismus

Die kapitalistische Gesellschaft tritt gerne die Leute, denen es am schlechtesten geht. So gehen gerade im Internet Fotos von Vorrichtungen um,die Stacheln am Boden zeigen, die Obdachlose von Orten fernhalten sollen, wo sie schlafen könnten. Diese Einrichtungen wirken auf widerliche ,Weise wie die Stacheln die Tauben von Fenstergeländern verscheuchen. Obdachlosigkeit als soziales Problem soll damit nicht bekämpft werden, nein! Es geht nur darum die Betroffenen zu vertreiben, damit die Spießbürger*innen sie nicht mehr sehen müssen oder daran erinnert werden, dass wir in einem wirtschaftlichen System leben das so viele Menschen auf die Straße zwingt und ihnen jegliche Möglichkeit einer menschenwürdigen Existenz nimmt. Neu sind diese Vorrichtungen wie sie vor TESCO-Filialen in London und unter Brücken in China abgebildet wurden jedoch nicht. Schon seit einigen Jahren informieren NGOs über immer mehr ähnliche Installationen.

Krise und Obdachlosigkeit

Gerade jetzt in Zeiten einer der größten wirtschaftlichen Krisen werden immer mehr Menschen, und allen voran Jugendliche, obdachlos. Am stärksten davon betroffen sind natürlich die Länder in denen die Wirtschaftskrise am härtesten zugeschlagen hat und in denen die Sparpolitik der EU am brutalsten durchgesetzt wird. Bei einem enormen Zuwachs an Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit (Spanien 53% der Jugendlichen ohne Job, Griechenland 56% der Jugendlichen ohne Job), einer immer größeren Anzahl an Zwangsräumungen von Wohnungen und dem systematischen Abbau von Sozialeinrichtungen, wundert es nicht wirklich, dass die Anzahl der Obdachlosigkeit immer mehr am Steigen ist. In Spanien ist die Zahl an Obdachlosen seit der Krise enorm gestiegen und ist weiter am Wachsen. Momentan leben 23.000 Obdachlose in Spanien und in Barcelona ist die Zahl an Obdachlosen seit 2008 um 46% gestiegen! Aber auch in London und Wien ist die Zahl obdachloser Personen am stetigen Wachsen. In London leben momentan über 6400 Menschen ohne Wohnsitz und in Österreich sind es über 37.000 und die Zahl ist am Steigen. Und all dies geschieht während in fast allen Städten Zehntausende Häuser und Wohnungen leer stehen: Logik im Kapitalismus.

Jugend auf der Straße

Besonders hart trifft die Situation vor allem Jugendliche. Immer mehr Menschen unter 30 finden sich in der Situation der Obdachlosigkeit wieder, was einerseits an der enorm steigenden Jugendarbeitslosigkeit und andererseits an den besonderen Unterdrückungsverhältnissen, unter denen Jugendliche leiden, liegt.. Leistbare Wohnmöglichkeiten für Jugendliche gibt es kaum.Hat man als Jugendlicher einen Arbeitsplatz, dann verdient man weniger als ältere Kolleg*innen, in der Ausbildung und Lehre bekommt man sowieso fast nichts bezahlt, Kredite bekommt man keine und ein Ausbrechen aus unterdrückerischen Familienverhältnissen ist selten möglich. Und ist man einmal obdachlos dann gestaltet sich das Überwinden dieser Situation auch sehr schwierig. In Wien sind mittlerweile ein Drittel aller Obdachlosen unter 30, Tendenz steigend.

Die Antwort der Reichen: Kriminalisierung und Verbot

Jetzt könnte man sich ja denken, wenn so viele Wohnungen freistehen und so viele Menschen in Luxus und Reichtum leben, wäre dann nicht eine naheliegende Lösung den gesellschaftlichen Reichtum so zu verteilen, dass jede*r ein anständiges Leben und Wohnraum haben kann? So sehen wir von REVOLUTION das auch, die Realität sieht momentan aber anders aus. Die Antwort der bürgerlichen Politik auf Obdachlosigkeit ist nämlich einfach sie zu verbieten – oder wie mit den am Anfang erwähnten Geräten – Obdachlose fernzuhalten. In Ungarn beispielsweise wurde vor einem Jahr ein Gesetz erlassen, dass Gemeinden ermöglicht Obdachlose-freie Zonen zu errichten und dort Obdachlose Menschen zu vertreiben. Auch das Schlafen und Campieren im Freien wurde als illegal erklärt. In Spanien stehen mittlerweile enorm hohe Strafen auf Betteln und weitere ähnlich repressive Gesetze werden umgesetzt. In Wien hat sich vor einem Jahr die Polizei durch eine Razzia gegen Obdachlose im Stadtpark hervorgetan, bei der sie obdachlose Personen vertrieb und schikanierte.

Wohnraum für Alle!

Die Mieten steigen, Hilfseinrichtungen gibt es immer weniger und von einem menschenwürdigen Leben kann man in unserer heutigen Gesellschaft in vielen Fällen kaum sprechen. Es regt sich jedoch auch Widerstand. So ist in Spanien die Zahl an Hausbesetzungen in den letzten Jahren stark angestiegen, weil sich Menschen aus ihrer Not endlich das nehmen was ihnen zusteht. Dies ist jedoch nur ein kleines Pflaster auf der Wunde, kein Heilmittel für das zugrundeliegende Problem. Wir müssen eine Gesellschaft schaffen in der alle Menschen Wohnraum, Arbeit und menschenwürdige Lebensumstände haben, in denen die Produktion von Gütern kollektiviert ist und wir alle was von den gesellschaftlichen Erzeugnissen bekommen und sich nicht eine kleine Elite alles einspeist und den Rest im Elend garen lässt. Nehmen wir uns, was uns zusteht und machen wir kaputt was uns kaputt macht!

Nieder mit dem Kapitalismus, für eine soziale Revolution!

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